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Bitte beachten Sie, dass Gesundheitsinformationen das Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder Arzt immer nur unterstützen, aber niemals ersetzen können.

Was ist Magersucht?

Typisches Kennzeichen der Magersucht (in der Fachsprache Anorexia nervosa oder Anorexie genannt) ist ein starkes Untergewicht. Die Betroffenen finden sich trotz ihres Untergewichts zu dick und leben in ständiger Angst, dass sie zunehmen könnten. Dadurch halten sie strenge Diät, treiben sehr viel Sport oder steuern nach einem „Essanfall“ selbst gegen eine vermeintliche Gewichtszunahme, indem sie sich erbrechen, Abführmittel (Laxantien), Entwässerungsmittel (Diuretika) oder andere Medikamente einnehmen.

Durch das Untergewicht kann es unter anderem zu Veränderungen des Hormonhaushalts kommen. Viele magersüchtige Mädchen und Frauen haben keine Regelblutung mehr, Jungen und Männer hingegen leiden unter sexueller Unlust.

Wie häufig tritt Magersucht auf?

Von 100 Menschen leidet im Durchschnitt etwa eine Person an Magersucht. Deutlich häufiger tritt jedoch die „nicht näher bezeichnete Essstörung“ in Deutschland auf. Hierunter fallen Betroffene, die zwar entsprechende Symptome (Krankheitszeichen) zeigen, jedoch nicht im ausreichenden Umfang, um die Diagnose „Magersucht“ zu rechtfertigen. Entsprechenden Untersuchungen zufolge liegen bei 19 von 100 Menschen Symptome einer Essstörung vor.

19 von 100 Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter Symptomen einer Essstörung

Ist Magersucht heilbar?

Etwa 40 bis 60 von 100 Erkrankten beenden eine Psychotherapie und gelten nach fünf Jahren als erfolgreich behandelt. Bei ungefähr 30 von 100 Betroffenen bleibt die Magersucht dauerhaft bestehen. Das Risiko, an einer Magersucht zu sterben, ist im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen aufgrund der zum Teil schwerwiegenden körperlichen Folgen und des erhöhten Suizidrisikos (Selbsttötungsrisikos) hoch.

Wie entsteht Magersucht?

Gesellschaftliche Einflüsse wie unser sehr schlankheitsbetontes Schönheitsideal und die ständige Verfügbarkeit kalorienreicher Nahrung spielen eine Rolle. Aber auch biologische Faktoren (z. B. Vererbung), persönliche (z.B. geringer Selbstwert) und lebensgeschichtliche (z.B. Verlust einer Bezugsperson) Bedingungen der jeweiligen Person tragen dazu bei, eine Essstörung wie Magersucht zu entwickeln.

Wer ist besonders gefährdet?

Frauen zeigen ein etwa zehnfach höheres Risiko, an einer Magersucht zu erkranken, als Männer. Im Jugendalter zwischen 14 und 18 Jahren ist die Gefahr am höchsten. Freizeit- und Spitzensportler, die Sportarten betreiben, in denen Aussehen eine große Rolle spielt, oder ein bestimmtes Gewicht Teilnahmevoraussetzung ist, unterliegen ebenfalls einem erhöhten Risiko. Weibliche Angehörige ersten Grades von Magersüchtigen, also Schwestern, Mütter oder die eigenen Töchter, haben ein etwa elfmal höheres Risiko, an einer Magersucht zu erkranken.

"Was essen? Wann essen? Wie viel essen? Am liebsten eigentlich gar nicht mehr. Immer weniger."

Wibke S., Erfahrene mit Essstörung

Wie findet man heraus, ob man magersüchtig ist?

Anhaltspunkte für eine beginnende Essstörung können sein: Unzufriedenheit mit dem eigenen Essverhalten, Sorgen um das eigene Gewicht, die Figur und die Ernährung, Einschränkung der Nahrungsaufnahme (Fasten oder Diäthalten), heimliches Essen, Erbrechen oder Essanfälle.

Magersucht entsteht nicht von heute auf morgen. Es ist sehr wichtig, dass Betroffene frühzeitig Hilfe suchen, um eine erfolgreiche Behandlung einzuleiten. Diese beginnt in der Regel beim Hausarzt oder besser noch- bei einem Psychotherapeuten. Hier findet neben einer körperlichen Untersuchung ein ausführliches Gespräch statt. Je nach Untersuchungsergebnis wird entschieden, welche weiterführende Behandlung zu empfehlen ist.

Wie wird Magersucht behandelt?

Eine Psychotherapie nach dem kognitiv-verhaltenstherapeutischen oder nach dem psychodynamischen Ansatz hat sich bei der Behandlung von Magersucht als besonders wirksam erwiesen. Wichtig ist, dass die behandelnden Therapeuten spezielles Wissen und fundierte Erfahrungen im Bereich Essstörungen haben. Bei minderjährigen Patienten werden, in Absprache mit den Betroffenen, häufig die Angehörigen zeitweise in die Therapie einbezogen.

Bei einer ambulanten Psychotherapie haben Betroffene in der Regel wöchentliche Termine bei einem Psychotherapeuten. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt können ergänzend gelegentlich auch Medikamente sinnvoll sein.
 
Oft reicht eine ambulante Behandlung allein nicht aus, und ein Krankenhausaufenthalt auf einer spezialisierten Station ist empfehlenswert. In Hamburg gibt es zwei Kliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und zwar in der Schön Klinik Eilbek mit ihrer Ambulanz im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und im Asklepios Westklinikum. Eine vollständige Liste der Kliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Hamburg und Umgebung finden Sie im Therapieführer der Stadt Hamburg ab Seite 136. Eine Liste der Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik finden Sie im Therapieführer der Stadt Hamburg ab Seite 190.

Stellt die Kontaktaufnahme zu einem Psychotherapeuten oder zu einer Klinik jedoch eine Hürde dar, können sich Betroffene an eine spezialisierte Beratungsstelle wenden. Die Mitarbeiter der Beratungsstellen informieren über das Krankheitsbild, die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten und vermitteln passende Adressen. Eine Liste spezialisierter Beratungsstellen für Betroffene mit Essstörungen finden Sie im Therapieführer der Stadt Hamburg ab Seite 167.

Was können Freunde und Angehörige tun?

Es ist hilfreich, das Thema direkt, aber behutsam anzusprechen. Auch wenn sich beim ersten Versuch kein Gespräch entwickelt, wird empfohlen, das Thema weiterhin zur Sprache zu bringen.

Aber es ist auch wichtig, sich nicht zu übernehmen und sich Unterstützung zu holen. Auch Angehörige und Freunde von Betroffenen können sich an Beratungsstellen für Essstörungen, an Haus- und Fachärzte und an Psychotherapeuten wenden.

Hilfreiche Informationen und Links:

www.bzga-essstoerungen.de

Quellen:

Backmund, H. & Gerlinghoff, M. (2005). Ess-Störungen, ein Ratgeber für Angehörige. Deutscher Taschenbuch Verlag: München.

Bryant-Waugh, R. & Lask, B. (2008). Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Rat und Hilfe für Eltern. Huber Verlag: Mannheim.

Bundeszentrale gesundheitliche Aufklärung zum Thema Essstörungen. Verfügbar unter http://www.bzga-essstoerungen.de/ [Stand: 25.8.2011]

verfasst von:

Katarina Rafailovic (Diplom-Psychologin), Prof. Dr. Bernd Löwe (Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Facharzt für Innere Medizin, Psychologischer Psychotherapeut), Institut und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des UKE

Datum der Erstellung: 17.08.2011
Datum der letzten inhaltlichen Überarbeitug: 15.02.2013
Datum der nächsten inhaltlichen Überarbeitung: 15.08.2013

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Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) (2010). Diagnostik und Therapie von Ess-Störungen. Verfügbar unter http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-026.html [Stand: 25.8.2011]

Schulte-Markwort, M. und Zahn, S. (2011). Magersucht. Effektive Hilfe für Betroffene und Angehörige. Patmos Verlag: Stuttgart.

Thomas, P. & Ursula, P. (2008). Ratgeber Magersucht: Informationen für Betroffene und Angehörige. Hogrefe Verlag: Göttingen.