Teilprojekt 10: Gesundheitsnetz Alkohol im Jugendalter

Kurzbeschreibung des Projektes

Teilprojekt 10 („HaLT-Hamburg“) fokussierte riskanten Alkoholkonsum im Jugendalter. Hintergrund des Forschungsvorhabens war die in den Jahren 2000 – 2009 stark angestiegene Anzahl von Jugendlichen, die wegen einer akuten Alkoholvergiftung  stationär behandelt werden musste. Wurden im Jahr 2000 rund 9.500 unter 20-Jährige mit der Diagnose „akute Alkoholintoxikation“ bundesweit behandelt, waren es im Jahr 2009 rund 26.000. Bisher wurden diese Kinder und Jugendlichen in Hamburg nur im Rahmen einer zeitlich begrenzten Erprobung des Alkoholpräventionsprogramms HaLT – Hart am Limit in psychosoziale Anschlussmaßnahmen vermittelt.


Ziel des Teilprojektes 10 war die selektive Prävention von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen, sowie die Vermeidung erneuter alkoholbedingter Klinikeinweisungen und alkoholassoziierter Risiken (z.B. Unfälle, Gewalthandlungen, sexuelle Übergriffe). Dabei wurde die Wirksamkeit einer manualisierten motivierenden Kurzintervention für Minderjährige und deren Eltern (Interventionsgruppe) im Vergleich zur derzeitigen Standardintervention, einer Informationsbroschüre (Kontrollgruppe), untersucht. In Kooperation mit der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg (BGV) wurde ein mobiles Interventionsteam ausgebildet, das freitags, samstags und sonntags morgens Kurzinterventionen mit Kindern und Jugendlichen und deren Eltern durchführte, die in einer der sechs teilnehmenden Hamburger Kliniken aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation behandelt wurden. In den Jahren 2011 – 2015 nahmen insgesamt 312 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 – 17 Jahren an der Studie teil. Sie wurden jeweils 3 und 6 Monate nach dem Klinikaufenthalt telefonisch zu ihrem Alkoholkonsum nachbefragt.

Ergebnisse und Verstetigung

Jugendliche in der Interventions- und in der Kontrollgruppe reduzierten ihren Alkoholkonsum signifikant. In beiden Gruppen gaben die Studienteilnehmer/-innen an, sowohl seltener als auch weniger zu trinken. Es zeigten sich jedoch keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bezüglich der Häufigkeit exzessiven Trinkens, der durchschnittlichen Anzahl von konsumierten Getränken zu einer typischen Trinkgelegenheit oder dem Erleben von alkoholbezogenen Problemen. 27% der Jugendlichen in der Interventionsgruppe und 24% in der Kontrollgruppe konnten in weiterführende Beratung vermittelt werden.

Das mobile Interventionsteam des Projektes „HaLT-Hamburg“ führt seit Studienende unter der Federführung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg (BGV) weiterhin Kurzinterventionen mit Kindern und Jugendlichen und deren Eltern durch, die aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation in einer der 6 teilnehmenden Kliniken in Hamburg behandelt werden. Das Manual zur Durchführung der motivierenden Kurzintervention am Krankenbett ist im Handel erhältlich (Diestelkamp & Thomasius, 2017). Es erläutert den theoretischen Hintergrund der Intervention, beschreibt den aktuellen internationalen Forschungsstand zum Thema, stellt die Forschungsergebnisse des psychenet Teilprojektes 10 im Überblick dar und beinhaltet eine ausführliche Handlungsanleitung zur Durchführung der Intervention am Krankenbett samt benötigter Materialien. Das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters bietet Fortbildungen für Interessierte und Fachkräfte zum Thema motivierende Kurzinterventionen  mit riskant alkoholkonsumierenden Jugendlichen an und ist an dem bundesweiten Forschernetzwerk des HaLT Service Center zur Weiterentwicklung des Projektes HaLT – Hart am Limit beteiligt.

Projektleitung

Projektleitung

Prof. Dr. Rainer Thomasius
Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), UKE
thomasius@uke.de

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