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Schlaf- und Beruhigungsmittel

Was sind Schlaf- und Beruhigungsmittel?

Bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln (sog. Benzodiazepine und Z-Substanzen) handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die oft bei Schlafstörungen, innerer Unruhe oder Angstzuständen verschrieben werden.

Welche Vor- und Nachteile haben Schlaf- und Beruhigungsmittel?

Bei kurzfristiger Einnahme (weniger als 4 Wochen) wirken diese gut gegen Schlafprobleme und innere Anspannung. Allerdings ist auch die kurzfristige Einnahme mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden: Oft treten Müdigkeit, Schläfrigkeit auch tagsüber, Schwindel (dadurch z.B. erhöhtes Sturzrisiko), Konzentrations- und Gedächtnisprobleme auf. Zudem kann es bei einer längeren Einnahme (mehr als 4 Wochen) zu folgenden weiteren Problemen und Risiken kommen:

  • Diese Medikamente können abhängig machen. 4 von 10 Menschen werden bei einer Einnahme von mehr als 4 Wochen abhängig.
  • Werden die Medikamente abrupt abgesetzt, treten die ursprünglichen Symptome (z.B. innere Unruhe, Angstzustände, Schlafprobleme) oft verstärkt auf, zudem können Entzugssymptome (z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Missempfindungen, Angstzustände, Unruhe) hinzukommen.
  • Letztendlich lösen diese Medikamente nicht die Ursache des Problems, sondern können die genannten Beschwerden nur lindern.

Folgende Anzeichen sprechen für eine Abhängigkeit:

  • Sie nehmen Ihre Medikamente ohne eine medizinische oder therapeutische Indikation ein.
  • Sie können ohne Ihre Medikamente nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen.
  • Sie versuchen keine anderen Behandlungsmöglichkeiten außer Ihren Medikamenten für sich zu finden.
  • Sie erhöhen die Dosis Ihrer Medikamente um eine stärkere Wirkungen zu erreichen.
  • Sie lassen sich Ihre Medikamente bei verschiedenen Ärzten zu verschreiben, um Ihre Einnahme heimlich zu halten.

Die Nebenwirkungen und Risiken betreffen insbesondere Menschen über 60 Jahre. Deswegen sollten diese v.a. von älteren Menschen nur in Ausnahmefällen länger als 4 Wochen eingenommen werden. Längerfristig sollten alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, die eher an der Ursache des Problems ansetzen.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen

  • Nutzen Sie Ihr Bett nur zum Schlafen, nicht zum Fernsehen oder Lesen. Machen Sie dies lieber in einem Stuhl oder auf dem Sofa.
  • Versuchen Sie täglich zur gleichen Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen.
  • Machen Sie Atem- und Entspannungsübungen, bevor Sie ins Bett gehen.
  • Bewegen Sie sich viel am Tag, aber nicht die letzten drei Stunden, bevor Sie schlafen gehen.
  • Vermeiden Sie den Konsum von Nikotin, Koffein und Alkohol. Diese Substanzen wirken anregend und beeinträchtigen Ihren Schlaf.
  • Besprechen Sie den Nutzen eines Schlaftagebuchs mit Ihrem Arzt, um ungünstige Schlafgewohnheiten zu erkennen.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Angstzuständen und innerer Unruhe

  • Das Gespräch mit einem Psychotherapeuten ist eine gute Möglichkeit, Belastungssituationen und Auslöser von Unruhe oder Ängsten zu erkennen.
  • Selbsthilfegruppen können Ihnen helfen, Ihre Stresssymptome abzubauen und sich damit nicht alleine zu fühlen.
  • Probieren Sie Entspannungstechniken aus, wie z.B. Autogenes Training, Yoga, oder Atemübungen. Diese können Ihnen helfen, mit alltäglichem Stress konstruktiv umzugehen und Ihre Sorgen und Ängste zu bewältigen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über andere angstreduzierende Medikamente, die weniger ernsthafte Nebenwirkungen haben und nicht abhängig machen.

Mehr Informationen und Links

Informationsblätter der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)

Informationsbroschüre

Hier können Sie die Patienteninformation ansehen, herunterladen und ausdrucken.

Download

Quellen:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. http://www.dhs.de/

Tannenbaum, C., Martin, P., Tamblyn, R. et al. (2014). Reduction of inappropriate benzodiazepine prescriptions among older adults through direct patient education: The EMPOWER cluster randomized trial. JAMA 174(6), 890-898.

Martin, P., Tamblyn, R., Ahmed, S. & Tannenbaum, C. (2013). A drug education tool developed for older adults changes knowledge, beliefs and risk perceptions about inappropriate benzodiazepine prescriptions in the elderly. Patient Educ Couns, 92(1),  81-87.

Glaeske, G. & Holzbach, R. (2013). Medikamentenabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe, Band 5, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Verfasst von: 

Aliaksandra Mokhar (Master of Science), PD Dr. Jörg Dirmaier (Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt und Psychologischer Psychotherapeut)

Datum der Erstellung: 28.10.2016
Datum der letzten inhaltlichen Überarbeitung: 28.10.2016
Datum der nächsten inhaltlichen Überarbeitung: 28.10.2017