In der Vorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie – Bock auf Dialog? standen diesmal Grenzerfahrungen junger Menschen zwischen Schule, Familie, Jugendhilfe und Psychiatrie im Mittelpunkt. Ausgehend von der Frage „Wer bin ich – ohne Sprache?“ wurde diskutiert, wie junge Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung ihre Sprachhoheit bewahren können und wie es den beteiligten Institutionen gelingt, eine gemeinsame Sprache zu finden, um Krisen vor Ort aufzufangen, eine Hospitalisierung wenn möglich zu vermeiden und den Rückweg ins Leben gut zu begleiten.

Imke Neemann (Co-Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wilhelmstift) und Markus Schneider (leitender Psychotherapeut) stellten Erfolge und Perspektiven des „3-für-1-Projekts“ vor. Simon Steinwachs berichtete als ehemaliger Teilnehmer und heutiger Co-Moderator des Gruppenangebots „Zu-sich-stehen“ über die Bedeutung eigener Worte im Umgang mit besonderen Erfahrungen. Stefanie Jürgensen, Leiterin eines Zentrums für schulische und berufliche Bildung, stellte Angebote vor, die junge Menschen auffangen, wenn eine Rückkehr in die Regelschule noch nicht gelingt.

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Der Arbeitskreis Leben e.V. bietet mit LebensLinien 60+ eine bundesweite, anonyme und kostenfreie Mailberatung speziell für Menschen ab 60 Jahren an. Über die Online-Krisenberatung können Betroffene ihre Situation schildern und erhalten Begleitung durch geschulte ehrenamtliche Beraterinnen und Berater im gleichen Lebensalter.

Die schriftliche Form erleichtert vielen Menschen den ersten Schritt und schafft einen sicheren Raum für Themen wie Einsamkeit, Verluste oder andere Lebenskrisen. Ziel ist es, Betroffene zu entlasten und neue Wege aus der Krise zu eröffnen.

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In der Reihe Anthropologische Psychiatrie – Bock auf Dialog? stand diesmal das Schicksal junger Geflüchteter im Mittelpunkt: Jugendlicher, die unbegleitet ihre Heimat verlassen mussten und hier oft mit Unsicherheit, Bürokratie und Vorbehalten konfrontiert sind. Die Veranstaltung widmete sich der Frage, was es bedeutet, so früh alles zu verlieren und was jungen Menschen hilft, wirklich anzukommen.

Ali Sarwary, der mit 15 Jahren aus Afghanistan floh, berichtete von Entbehrungen und Angst, aber auch von Momenten der Unterstützung. Ulrike Meyer-Timpe, die ihn ehrenamtlich begleitete, schilderte sowohl bürokratische Hürden als auch positive Erfahrungen von Willkommenskultur. Beide machten deutlich, wie zentral verlässliche Beziehungen für einen gelungenen Neubeginn sind. Prof. Dr. Thomas Bock ergänzte die professionelle Perspektive, verwies auf die Belastungen im Hilfesystem und betonte die politischen Aufgaben, die notwendig sind, um Integration zu erleichtern.

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Im Rahmen der Vorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie – Bock auf Dialog? widmete sich Prof. Dr. Thomas Bock gemeinsam mit seinen Gästen dem Thema Straßenkinder in Hamburg. Immer mehr junge Menschen werden obdachlos – mindestens 150 unter 14 Jahren, noch viel mehr ältere Jugendliche. Wie erleben Betroffene diese Situation, was brauchen sie, und welche Antworten bietet das Hilfesystem?

Lärry Beckmann, die als 15-Jährige selbst auf Hamburgs Straßen lebte, berichtet von ihren Erfahrungen und stellt das Beteiligungsangebot „Momo“ vor, in dem Betroffene aktiv mitgestalten können. Ronald Prieß, langjähriger „Botschafter der Straßenkinder“, und Malte Block, Leiter eines großen Jugendhilfeträgers, erläutern gemeinsam die Chancen eines flexiblen Hilfeangebots nach dem Housing-First-Prinzip: Vertrauensvorschuss statt Ausschluss, haltende Beziehungen und gesichertes Wohnen.

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Vom 10. bis 20. Oktober 2025 findet bundesweit die Woche der Seelischen Gesundheit statt. Unter dem Motto „Lass Zuversicht wachsen – Psychisch stark in die Zukunft“ geht es um psychische Widerstandskraft, Selbstfürsorge und Zukunftsperspektiven. Über 900 Veranstaltungen bieten Vorträge, Workshops und Beratungsangebote – viele speziell für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern. Aktuelle Daten wie die COPSY-Studie zeigen, dass psychische Belastungen bei jungen Menschen weiter zunehmen und verdeutlichen den Handlungsbedarf.

Die Auftaktveranstaltung am 10. Oktober 2025 in Berlin startet mit Grußworten von Dr. Georg Kippels (BMG) und Dr. Ina Czyborra (Berlin). Transformationspsychologe Dr. Carl Naughton hält einen Impulsvortrag, anschließend diskutieren Expert:innen wie Dr. Theda Wessel (BMG) und Dr. Anne Kaman (COPSY-Studie) über Wege zu mehr psychischer Stärke. Musikalisch begleitet wird der Abend von Marianne Neumann.

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PD Dr. Jörg Dirmaier
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, UKE

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